Im Betriebsalltag befindet sich die Betriebsführung an der Schnittstelle zwischen Hersteller, Betreiber und Eigentümer eines Parks. Dies unterstreicht die Bedeutung der Arbeit der Betriebsführung. Gleichzeitig entsteht hier aber auch ein enormes Konfliktpotential, das im Betriebsführungsalltag gemanagt werden muss. Bei allen Tätigkeiten muss abgewogen werden, ob der mögliche Gewinn, beispielsweise die Verbesserung der Verfügbarkeit, den nötigen Aufwand rechtfertigt.
Die Überwachung des Betriebs der Windenergieanlagen gehört zu den zentralen Aufgaben der Betriebsführung. Nur wenn man ständig über den Zustand der überwachten Anlagen informiert ist, lassen sich teure Stillstände vermeiden.
Damit Fehler und Schäden an den Windturbinen gar nicht entstehen, ist eine angemessene Vorsorge nötig. Hier lassen sich oft durch kleine Maßnahmen große Schäden vermeiden (beispielsweise durch regelmäßige Begehungen, Wartungsüberprüfungen etc.).
Die im Laufe der technischen Betriebsführung gewonnenen Daten wie Erträge, Schäden und Ausfälle stellen wichtige Informationen dar. Wichtig sind dabei auch die Schnittstellen zur Kaufmännischen Betriebsführung.
Um die Tätigkeiten der Betriebsführung in hoher Qualität durchzuführen, werden verschiedene Softwarewerkzeuge eingesetzt - von der Windparküberwachung bis hin zum fortgeschrittenen Condition Monitoring.
Auf Grund der vielfältigen Aufgaben und der großen Bedeutung für die tägliche Arbeit bildet die Betriebsführung einen Bereich, für den sich der Einsatz von Qualitätsmanagement rechnet.
Motivation
Nach der Errichtung eines Windparks ist eine gute Betriebsführung der Schlüssel zu optimalen Erträgen und damit auch Renditen. Eine qualifizierte Betriebsführung ist zwar aufwändig und kostenintensiv; mit Hilfe einer guten Betreuung kann jedoch gleichzeitig durch die Vermeidung von Anlagenstillständen, durch Gewährleistungsabwicklung, durch Rechnungsprüfung usw. netto viel Geld verdient bzw. eingespart werden.

Der Ertrag eines Windparks hängt neben dem Windpotential und der Anlagencharakteristik (Leitungskennlinie, Abschattungseffekte) vor allem von der Verfügbarkeit ab. Abbildung 1 zeigt diese drei Einflussgrößen auf den Ertrag eines Windparks. Leider ist das Windpotential nach dem Bau des Windparks nicht mehr beeinflussbar.
Eine offensichtliche Aufgabe der technischen Betriebsführung ist die Sicherstellung einer möglichst hohen Verfügbarkeit aller Windenergieanlagen (WEA) eines Parks. Aber auch die Einhaltung der einzelnen Leistungskennlinien gehört zum Arbeitsumfang der Parküberwachung.
Dabei sollte man nicht vergessen, dass es am Ende auf den Ertrag des Parks über seine gesamte Lebensdauer ankommt. Nicht nur die momentane Verfügbarkeit des Windparks ist von Bedeutung, sondern auch der Werterhalt der Investition, wozu eine entsprechende Vorsorge nötig ist.
Um dem Gesamtziel, einem möglichst hohen Ertrag bei angemessenem Aufwand, nahe zu kommen, sind vielfältige Tätigkeiten nötig. Die Tätigkeitsschwerpunkte der Betriebsführung lassen sich in folgende Aufgabenbereiche gliedern:
- Überwachung der Anlage, um den ordnungsgemäßen Betrieb des Parks zu gewährleisten
- Ernennung eines Bereitschaftsteams, das auf mögliche Ereignisse - wie Anlagenausfälle - reagiert
- Einhaltung von Vorsorgemaßnahmen, die vor allem die Aufgabe haben, den Wert des Parks zu erhalten
- Unterstützung der kaufmännischen Betriebsführung, die für die wirtschaftliche Verwaltung des Parks verantwortlich ist
Um die täglichen Aufgaben zu erleichtern und eine gute Dokumentation sicherzustellen, bedient man sich in der Praxis verschiedener Software-Tools.
Ziele der Betriebsführung
Globales Ziel jeder Betriebsführung von Windenergieanlagen ist die Optimierung der Rentabilität eines Parks. Dazu müssen die Erträge (im Sinne von Erlösen) maximiert und gleichzeitig die Betriebskosten minimiert werden. Mit einer Optimierung des Ertrags ist es also nicht getan, weil ja eine sehr intensive Betriebsführung auch hohe Kosten verursachen kann. Wichtig ist darüber hinaus, dass man die ganze Lebensdauer eines Projekts betrachtet. Das klassische Beispiel: Die Betriebskosten lassen sich kurzfristig deutlich senken, wenn man auf Wartung und Instandhaltung komplett verzichtet. Leider muss man dies in der Regel in den Folgejahren mit erhöhten Reparaturaufwendungen, einem Totaldefekt oder mit einer verkürzten Lebensdauer der Anlage bezahlen.
Um möglichst hohe Renditen zu erwirtschaften, muss man ein Windparkprojekt als Ganzes also über seine gesamte Lebenszeit betrachten. Dieser Grundsatz bestimmt das Ziel der Betriebsführung.
Gesamtziel der Betriebsführung ist die Maximierung der Rendite über die gesamte Laufzeit des Windparks!
Um dieses Ziel zu erreichen müssen Einnahmen, Ausgaben und die Lebensdauer des Parks optimiert werden:
Maximierung des Energieertrags
Verfügbarkeit
schnelle Reaktion auf Störungen
Wartung und Reparaturen in windschwachen Zeiten
Überwachung von Anlagenparametern
(...)
Minimierung der Betriebskosten
optimale Wartung
optimaler Betriebsführungsaufwand
Vermeidung von Reparaturen durch Vorsorge
Rechnungsprüfung, Gewährleistungsumfang
(...)
Maximierung der WEA-Lebensdauer
Vorsorge
Condition Monitoring
Wartung
(...)

Insgesamt gilt es, ein Optimum zwischen Aufwand und zusätzlichem (oder nicht verlorenem) Ertrag zu finden. Eine minimale Betriebsführung, die sich praktisch nur auf Verwaltungsaufgaben beschränkt, kostet wenig Geld, führt aber kaum zu einer Ertragssteigerung. Schlechte Betriebsführung kostet langfristig netto also in erster Linie Geld. Andererseits kann man den Aufwand - beispielsweise für die Überwachung des Anlagenbetriebs - beliebig steigern, wobei ab einem bestimmten Punkt praktisch nicht mehr mit einer Steigerung der Erträge zu rechnen ist. In der Praxis gilt es, die optimale Balance zwischen Aufwand, Vorsorge und zusätzlichem Ertrag zu finden.
Weitere Aufgaben der Betriebsführung
Zusätzlich zur Optimierung der Parkrendite nimmt die Betriebsführung noch weitere Aufgaben wahr, die zur Verwaltung des Parks gehören. Dies sind insbesondere:
- Erstellung von Quartalsberichten zur Überprüfung der Parkperformance und zur Information der Kommanditisten
- Gewährleistungsabwicklung
- Rechnungsprüfung
- Vergütungsprüfung
- Versicherungsfragen
- Konfliktmanagement zwischen Betreiber und Hersteller, Versicherer, usw.
- (...).
Qualitätsmanagement
Die Aufgaben und Ziele der technischen Betriebsführung von Windenergieanlagen weisen einige Merkmale auf, die den Einsatz von Qualitätsmanagement nahe legen:
- Es werden Investitionen mit hohen Werten verwaltet (der Windpark).
- Vorsorge spielt eine wichtige Rolle.
- Es müssen viele verschiedene Menschen und Institutionen zusammen arbeiten (Hersteller, Wartungsteams, die Betriebsführung, externe Gutachter, Kaufleute etc.).
- Viele Ereignisse und Analysen müssen dauerhaft und nachvollziehbar archiviert werden (Begehungsprotokolle, Wartungs- und Reparaturdokumente, Störmeldungen etc.).
- Die Ergebnisse der Betriebsführungsarbeit sind wichtig im Fall von Konflikten (Gesellschafter, Hersteller etc.).
- Die Ergebnisse der Betriebsführungsarbeit können eine entscheidende Rolle bei Rechtsstreitigkeiten spielen (Unstimmigkeiten am Gewährleistungsende, Überprüfung von Vertragszusagen, Schäden an Großkomponenten etc.).
- Auch innerhalb einer Betriebsführungseinheit sind in der Regel mehrere Personen tätig, so dass ein geregelter Austausch und die Sicherung von Informationen und Know-how gewährleistet sind.
Alle diese Punkte können durch Qualitätsmanagement unterstützt werden.
Durch geregelte Abläufe bei der Auftragsbearbeitung, systematische Dokumentation, gute Vorbereitung von Tätigkeiten durch Checklisten, Arbeitsanweisungen und Formulare sowie regelmäßige Überprüfung der entsprechenden Vorgehensweisen können der Wert der Betriebsführungsarbeit und die Qualität der dabei entstehenden (gewonnenen) Informationen und Dokumente deutlich gesteigert werden. Findet man das richtige Maß an Regeln, ohne dabei die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Betriebsführung zu gängeln, so kann Qualitätsmanagement auch dazu beitragen, den Alltagsstress des Personals durch klare Vorgaben und Unterstützung bei seiner Arbeit zu senken.
Zusammenfassung
Eine gute Betriebsführung von Windkraftanlagen ist eine vielschichtige Aufgabe, die in vielen Fällen ein erhebliches Optimierungspotential beinhaltet. Es ist eine der Kernanforderungen an WEA, dass die Verfügbarkeit und damit die Erträge maximiert werden müssen.
Aber auch die Ausgabenseite, wie beispielsweise die Kosten für die Betriebsführung selbst, spielt eine wichtige Rolle.
Durch größere Probleme mit mechanischen Komponenten von WEA in den letzten Jahren ist auch die Frage der Lebensdauer von Bauteilen weiter in den Mittelpunkt gerückt. Hier kann eine intensive Vorsorge - wie beispielsweise Condition Monitoring - zu einem Erhalt des Wertes der Investition entscheidend beitragen.
Seit einigen Jahren bietet das Haus der Technik gemeinsam mit der ForWind-Academy erfolgreich Veranstaltungen zum Thema Betriebsführung aber auch zu weiteren Themengebieten an.
www.forwind-academy.de.
Quelle, Dr. Hans-Peter Waldl, Overspeed GmbH & Co. KG
© Overspeed GmbH & Co. KG 2011
Schlüsselwörter:
Optimale Betriebsführung, Verfügbarkeit, Ziele der Betriebsführung, Optimierung der Rendite, Qualitätsmanagement, Windenergie |