Schon 1909 wies Heinrich Reisner auf die dringende Notwendigkeit planmäßiger Fortbildung für Ingenieure hin. 1912 hielt er bei der Hauptversammlung der Rheinisch-Westfälischen Gesellschaft für die Exakten Wissenschaften einen Vortrag und erläuterte seine Vorstellungen über ein solches Fortbildungsinstitut, dessen Sitz in Essen sein sollte. Es sollte neben der technisch-wissenschaftlichen Fortbildung auch die bisher vernachlässigte Fortbildung für Ingenieure in den Wirtschafts- und Allgemeinwissenschaften betreiben. Diese Gedanken legte Reisner in der Schrift "Wissenschaftliche Bestrebung im Rheinisch-Westfälischen Industriebezirk" nieder, die man als Urschrift zur Gründung des HDT bezeichnen kann. Doch erst am 21. November 1927 fand die Eröffnung des Hauses der Technik im Börsengebäude, dem späteren Sitz des HDT, statt.
Mit seiner interdisziplinären und praxisorientierten Zielsetzung war das Haus der Technik die erste Einrichtung dieser Art. Dieser Ansatz kam schon im Gründungsvortrag mit dem Titel "Ingenieur und Kaufmann Hand in Hand" zum Ausdruck. Im ersten Semester 1927 kamen zu den 19 durchgeführten Vorträgen 2000 Besucher.
Am 9. Januar 1930 erfolgte in Anwesenheit einer großen Zahl von Vertretern aus Technik, Industrie, Bergbau, technischen Behörden und technisch-wissenschaftlichen Vereinen die Gründung des rechtsfähigen Vereins. Im Frühjahr 1930 war das neue Gebäude an der Rathenaustraße fertiggestellt worden und konnte mit Beginn des sechsten Semesters des Institutes, dessen bis dahin fast 100 Veranstaltungen von etwa 11000 Teilnehmer besucht worden waren, am 1. April 1930 feierlich eröffnet werden. Im Winter 1932 mitten in der stärksten Wirtschaftskrise setzte ein erheblicher Anstieg der Besucherzahlen ein. Verstärkt wurden jetzt ganztägige, über mehrere Tage gehende Lehrgänge durchgeführt. Für diese Sonderveranstaltungen gab man erstmals neben dem Vorlesungsverzeichnis kleine Programme heraus.
Das Wintersemester 1934/35 stand unter dem Eindruck dreier großer Energie-Tagungen. Im Oktober wurde die "Gastagung" eröffnet, im Januar folgte die "Elektrotagung" und im April die "Kohletagung". Ende 1935 hatte die Sparkasse die dem Haus der Technik zur Verfügung gestellten Räume gekündigt. Der Verein stimmte dem Vorschlag zu, in das durch die Auflösung der Essener Börse freigewordene Gebäude zu wechseln. Neben der Vergrößerung der Räumlichkeiten erfolgte mit dem Umzug auch eine Erweiterung des Aufgabengebietes: die amtliche Patentauslegestelle der gesamten deutschen Patentliteratur wurde in die Bibliothek des Hauses der Technik überführt. Weiterhin wurden die Technischen Mitteilungen zum Organ des Hauses bestimmt.
Am 5. März 1943 wurde das Haus der Technik bei einem Bombenangriff vollkommen zerstört, wobei die große Bibliothek und die Patentschriftenstelle verbrannten. Sofort nach dem Krieg bemühte sich Reisner um die Reorganisation der Industrieförderung sowie die Wiedereinrichtung und den Wiederaufbau des Hauses der Technik. Am 24. April 1946 fand die erste Vorlesung nach dem Krieg statt. Weiterhin nahm die RWTH Aachen im Herbst 1946 das Haus der Technik als Außeninstitut in den Kreis ihrer Hochschulinstitute auf und erkannte es als wissenschaftliche Bildungsstätte an. Im Jahre 1951 wurde mit dem Aufbau des Hauses begonnen, der 1953 abgeschlossen war. Mit der Einweihung wurde gleichzeitig das 25jährige Bestehen des HDT gefeiert.
Im Oktober 1955 wurden erstmals die Aachener Hochschulwochen im Ruhrgebiet durchgeführt. Um die enge Verbundenheit mit der Aachener Hochschule zu dokumentieren, besteht diese Einrichtung auch heute noch in Form des "Tages der Aachener Hochschule". Im Jahre 1959 ging man dazu über, Kurse und Seminare nicht nur über technische Probleme, sondern auch über Gebiete wie Management, Betriebs- und Verwaltungsorganisation, Arbeitswissenschaft, Personalwesen, Mitarbeiterführung, Finanz- und Rechnungswesen, Einkauf und Vertrieb, Verhandlungsführung, Rhetorik und Recht durchzuführen. Von 1963 bis 1972 steigerte das Haus der Technik die Zahl der Intensivschulungslehrgänge um etwa 100%. Besonders bevorzugt behandelt wurden Grenzgebiete zwischen verschiedenen technischen und wissenschaftlichen Bereichen unter Berücksichtigung der Tatsache, daß im beruflichen Leben viele Mitarbeiter gezwungen sind, sich auch mit Problemen außerhalb ihrer ursprünglichen Ausbildung zu beschäftigen. Die Fachgebiete reichen von naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern wie Mathematik, Physik, Chemie über Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauwesen, Hüttenkunde, Montanindustrie, Geschichte der Technik, Kunst, Geographie, Philosophie, Psychologie, Betriebslehre und Wirtschaftswissenschaften bis hin zu Arbeits- und Betriebsrecht.
Heute arbeiten die Mitarbeiter des HDT für die aktuelle Veranstaltungsplanung mit einem Stamm von über 5000 Referenten aus Hochschulen, Industrie, Ministerien, Wirtschaft und Verbänden zusammen. Besondere Schwerpunkte bei der Themenwahl sind Anlagen-, Elektro-, Energie-, Fahrzeug-, Fertigungs-, Gebäude-, Medizin- und Verfahrenstechnik sowie Bauwesen, Betriebswirtschaft, Chemie, EDV, Maschinenwesen, Pharmazie, Qualitätswesen, Strahlenschutz, Umweltschutz und Werkstoffwissenschaft. Die Leiter der einzelnen Fachbereiche sorgen dabei für eine bestmögliche, systematische Aufarbeitung und Darbietung von grundlegenden Zusammenhängen in den einzelnen Teilbereichen. Dementsprechend werden je nach Thema und Zielsetzung Seminare im kleinen Kreis, Symposien, Kolloquien, Workshops und Tagungen bis hin zu großen Fachkongressen vorbereitet und durchgeführt. Das Haus der Technik versteht sich als Forum, in dem viele Gedanken vorgetragen, erörtert und geprüft werden. Das moderne, komfortable Kongresszentrum verfügt nach aufwendigem Umbau des inzwischen unter Denkmalschutz stehenden alten Börsengebäudes über 40 Seminarräume und Tagungssäle mit Kapazitäten zwischen 10 und 570 Teilnehmerplätzen mit modernster Tagungstechnik.
Als sich die Notwendigkeit ergab, länger dauernde Kurse, Lehrgänge und Praktika mit theoretischen und praktischen Prüfungen sowie staatlich anerkannten Zertifikaten zu entwickeln und in größerem Umfang durchzuführen, wurde 1988 die HDT-Akademie eröffnet. Die Schwerpunkte liegen hier bei Lehrgängen, Sprach- und Vorbereitungskursen für Auslandsaufenthalte, EDV-Schulungen und berufsbegleitenden Kursen sowie Vorbereitungslehrgängen für IHK-Prüfungen. Grundlagenentwicklung in der Weiterbildung werden als Projektaufträge durchgeführt. Einen gesonderten Teil dieses Geschäftsbereiches stellt die Sprachakademie dar. Hier wird vor allem eine an der Universität Essen entwickelte suggestopädische Methode für das Erlernen von Weltsprachen genutzt.
Das Haus der Technik führt seine Veranstaltungen nicht nur in Essen, sondern auch in vielen Städten Deutschlands, Europas und weltweit durch. So wird der Kontakt unter den Fachleuten weltweit gefördert, und auch Anregungen aus Fragestellungen anderer Länder und Kulturkreise gelangen auf diesem Wege in das HDT.
Der Verein "Haus der Technik" hat zur Zeit etwa 1 000 Mitglieder, mit deren Mitgliedsbeiträgen die Grundsatzarbeit in der Weiterbildung unterstützt wird. Beim HDT handelt es sich nicht um eine kommerzielle, sondern um eine gemeinnützige Einrichtung. Zum laufenden Betrieb erhält es keine Zuschüsse, sondern trägt sich wirtschaftlich selbst. Es tritt für einen gleichbleibend hohen Qualitätsstandard ein, der sich aus der systematischen Konzeption der Einrichtungen und der Veranstaltungen ergibt. Aktualität und Kontinuität des Angebotes stehen im Vordergrund. Es wird jeweils der neueste wissenschaftliche Erkenntnisstand objektiv sowohl in speziellen Richtungen als auch in übergreifenden Zusammenhängen praxisorientiert behandelt. Das Haus der Technik ist im Sinne der Weiterbildungsgesetze in den Sachgebieten der wisssenschaftlichen, der personenbezogenen und der beruflichen Weiterbildung vom Land Nordrhein-Westfalen als Weiterbildungseinrichtung anerkannt.
Mit seinem umfangreichen, hochwertigen Veranstaltungsangebot bietet das HDT Fachleuten aus nahezu allen technischen Fachrichtungen ausgezeichnete Möglichkeiten, vorhandenes Wissen zu vertiefen und durch aktuelle Erkenntnisse zu erweitern. Es ist davon auszugehen, daß die Bedeutung des HDT in einer Zeit, in der die technische Entwicklung immer rascher vorangeht, zukünftig noch zunehmen wird.
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