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Geschichte des HDT

Das Haus der Technik geht auf Heinrich Reisner zurück – einen zu seiner Zeit im Ruhrgebiet bekannten Ingenieur und Wissenschaftsjournalisten. Schon 1909 wies er auf die dringende Notwendigkeit planmäßiger Fortbildung für Ingenieure hin. 1912 hielt er bei der Hauptversammlung der Rheinisch-Westfälischen Gesellschaft für die Exakten Wissenschaften einen Vortrag und erläuterte seine Vorstellungen über ein solches Fortbildungsinstitut, dessen Sitz in Essen sein sollte. Es sollte neben der technisch-wissenschaftlichen Fortbildung auch die bisher vernachlässigte Fortbildung für Ingenieure in den Wirtschafts- und Allgemeinwissenschaften betreiben. Diese Gedanken legte Reisner in der Schrift "Wissenschaftliche Bestrebung im Rheinisch-Westfälischen Industriebezirk" nieder, die man als Urschrift zur Gründung des HDT bezeichnen kann.

Doch es brauchte Zeit – erst am 21. November 1927 konnte die Eröffnung des Hauses der Technik im Gebäude der Essener Börse, dem späteren Sitz des HDT, stattfinden. Heinrich Reisner wurde die Leitung des Hauses übertragen.


H. Reisner (1881 – 1969), Archiv HDT

Mit seiner interdisziplinären und praxisorientierten Zielsetzung war das Haus der Technik die erste Einrichtung dieser Art. Diesen Ansatz brachte schon der Gründungsvortrag mit dem Titel "Ingenieur, Chemiker und Kaufmann Hand in Hand" zum Ausdruck. Im ersten Semester 1927 kamen zu den 19 durchgeführten Vorträgen 2.000 Besucher.

Am 9. Januar 1930 erfolgte in Anwesenheit einer großen Zahl von Vertretern aus Technik, Industrie, Bergbau, technischen Behörden und technisch-wissenschaftlichen Vereinen die Gründung eines rechtsfähigen Vereins als Träger des Hauses. Im Frühjahr 1930 wurde das neue Gebäude der Sparkasse Essen an der Rathenaustraße fertig, in dem das HDT zunächst sein Zuhause fand. Die neuen Räume konnten mit Beginn des sechsten Semesters des Institutes am 1. April 1930 feierlich eröffnet werden. Bis dahin hatten schon fast 100 Veranstaltungen mit 11.000 Teilnehmern stattgefunden, meist an Abenden. Im Winter 1932 – mitten in der stärksten Wirtschaftskrise – setzte ein weiterer Anstieg der Besucherzahlen ein. Verstärkt wurden jetzt ganztägige, über mehrere Tage gehende Lehrgänge durchgeführt. Für diese Sonderveranstaltungen gab es erstmals neben dem Vorlesungsverzeichnis kleine Einzelprogramme.

Das Wintersemester 1934/35 stand unter dem Eindruck dreier großer Energie-Tagungen. Im Oktober wurde die "Gastagung" eröffnet, im Januar folgte die "Elektrotagung" und im April die "Kohletagung".


Die Essener Börse, errichtet 1922-1924, Archiv HDT

Ende 1935 hatte endete der Vertag mit der Sparkasse. Der Verein stimmte deshalb dem Vorschlag zu, in das durch die Auflösung der Essener Börse freigewordene Gebäude an der Hollestraße zu wechseln, das auch heute noch das Stammhaus des HDT ist. Neben der Vergrößerung der Räumlichkeiten erfolgte mit dem Umzug auch eine Erweiterung des Aufgabengebietes: Die amtliche Auslegestelle der gesamten deutschen Patentliteratur wurde in die Bibliothek des Hauses der Technik überführt. Die schon länger bestehenden Technischen Mitteilungen wurden zum Organ des Hauses bestimmt.

Das Dritte Reich hinterließ auch im HDT seine Spuren. So wurde die für das HDT umgebaute Börse 1936 von Generalinspektor Dr. Todt eröffnet, Heinrich Reisner aus der Leitung entfernt und das HDT dem Amt für Technik eingliedert.

Am 5. März 1943 wurde das Haus der Technik bei einem Bombenangriff fast vollkommen zerstört, wobei die große Bibliothek und die Patentschriftenstelle verbrannten. Sofort nach dem Krieg bemühte sich der wieder ins Amt berufene Reisner um die Reorganisation der Industrieförderung sowie die Wiedereinrichtung und den Wiederaufbau des Hauses. Am 24. April 1946 fand die erste Vorlesung nach dem Krieg statt. Im gleichen Jahr nahm die RWTH Aachen das Haus der Technik als Außeninstitut in den Kreis ihrer Hochschulinstitute auf und erkannte es als wissenschaftliche Bildungsstätte an.


Das HDT 1943, Archiv HDT

Heinrich Reisner führte das Haus noch bis zum Jahr 1951. Zu seinem Nachfolger wurde Prof. Dr. Ing. Karl Krekeler bestellt. Im gleichen Jahre wurde offiziell mit dem Wiederaufbau des Hauses begonnen, der dann 1953 abgeschlossen war – im Wesentlichen in der alten Gestalt, die heute als Werk des bekannten Industriearchitekten Prof. Edmund Körner unter Denkmalschutz steht. Mit der Wieder-Einweihung wurde gleichzeitig das 25jährige Bestehen des HDT gefeiert.

Im Oktober 1955 wurden erstmals die Aachener Hochschulwochen im Ruhrgebiet durchgeführt. Um die enge Verbundenheit mit der Aachener Hochschule zu dokumentieren, bestand diese Einrichtung später noch lange in der Form des "Tages der Aachener Hochschule". Im Jahre 1959 ging das HDT dazu über, Kurse und Seminare nicht nur zu technischen Problemfeldern, sondern auch zu angrenzenden Gebieten wie Management, Betriebs- und Verwaltungsorganisation, Arbeitswissenschaft, Personalwesen, Mitarbeiterführung, Finanz- und Rechnungswesen, Einkauf und Vertrieb, Verhandlungsführung, Rhetorik und Recht anzubieten und durchzuführen.

Von 1963 bis 1972 steigerte das Haus der Technik die Zahl seiner „Intensivschulungslehrgänge“ um etwa 100%. Besonders bevorzugt behandelt wurden Grenzgebiete zwischen verschiedenen technischen und wissenschaftlichen Bereichen unter Berücksichtigung der Tatsache, dass im beruflichen Leben viele Mitarbeiter gezwungen waren und sind, sich auch mit Problemen außerhalb ihrer ursprünglichen Ausbildung zu beschäftigen. Es war dies ein besonderes Anliegen von Prof. Dr. Ing. Kurt Giesen, der in der Nachfolge von Prof. Krekeler im Jahre 1964 als Leiter des HDT berufen worden war.

Die Fachgebiete erreichten dann in den 70er und 80er Jahren – dann unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. E. Steinmetz, der sein Amt 1974 antrat – ihre noch heute gültige Breite: von naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern wie Mathematik, Physik, Chemie über Maschinenbau, Energie- und Elektrotechnik, Bauwesen, Hüttenkunde, Montanindustrie, Umwelt- und Strahlenschutz, Anlagenbau, Pharmazie bis hin zu Wirtschaftswissenschaften, Management und Recht.


Der neue große Hörsaal, Archiv HDT

Zwei wichtige Ereignisse fielen in die Zeit danach: die Gründung und Ausstattung der HDT-Akademie im Jahre 1988 und der großzügige Umbau des inzwischen denkmalgeschützten Hauses, der im Ergebnis unter anderem den modernsten und schönsten Hörsaal Essens hervorbrachte. Die Akademie entstand aus der Notwendigkeit, länger dauernde Kurse, Lehrgänge und Praktika mit theoretischen und praktischen Prüfungen sowie staatlich anerkannten Zertifikaten zu entwickeln und in größerem Umfang durchzuführen. Zunächst waren dies Strahlenschutz-Lehrgänge, dann auch Qualifizierungsmaßnahmen nach dem Arbeitsförderungsgesetz, später noch Sprachkurse. Letztere fanden zu Beginn im Rahmen einer von der örtlichen Universität übernommenen Sprachakademie statt, die dann in der Akademie aufging und sich über viele Jahre mit Integrationskursen für qualifizierte Ausländer beschäftigte.

Das Bedürfnis der Teilnehmer nach hochwertigen Abschlüssen führte mit dem Jahr 2005, als Prof. Dr.-Ing. Ulrich Brill das Amt des Leiters des Hauses von Prof. Dr.-Ing. Steinmetz übernahm, zum Angebot von regulären Studiengängen. Heute bietet das HDT die Master-Studiengänge Energiewirtschaft und Logistik sowie den Bachelor-Studiengang Energietechnik an, alle berufsbegleitend.


Die ersten Master-Absolventen, Archiv HDT

Prof. Brill führte in den Folgejahren dem Haus weitere Tätigkeitsfelder zu, die insgesamt als Dienstleistungen beschrieben werden können. So entstanden das Angebot firmenspezifischer „Seminare nach Maß“, der beratungsorientierte Bereich Human Potential Development, die Stelle für Saalanmietung, Catering und Services, die Agentur für Hotelreservierung und Tagungsservice und schließlich die F&E Dienstleistungen. Bei F&E Dienstleistungen geht es um die Lösung von Schadensfällen und werkstoffkundlichen Problemen, wobei sich dieser Bereich auf ein hochmodernes, über Jahre hinweg aufgebautes Werkstofflabor stützen kann. Zu F&E zählen heute auch die Beratungsleistungen für große Unternehmen, speziell des Energiesektors.

Das Haus der Technik will innovationsorientiert bleiben. Das dokumentiert auch der 2010 erstmals verliehene Deutsche Weiterbildungspreis, der im Vorjahr zur Würdigung persönlicher Initiativen vom HDT gestiftet worden war. Es steht nach wie vor in der Tradition seines Gründers, der schon früh das heute moderne lebenslange Lernen propagiert hat. So war es nur konsequent, dass im Jahr 2011 die umgestalteten Fläche zwischen HDT, Essener Hof und Handelshof zum „Heinrich-Reisner-Platz“ wurde, in dessen Mitte jetzt das neu geschaffene Denkmal des HDT-Gründers steht.

Das Haus der Technik führt seine Veranstaltungen nicht nur in Essen und seinen Niederlassungen in Berlin und München durch, sondern auch in vielen Städten Deutschlands, Europas und weltweit. So wird der Kontakt unter den Fachleuten gefördert, und auch Anregungen aus Fragestellungen anderer Länder und Kulturkreise gelangen auf diesem Wege in das Haus, das seine Fachtagungen heute vielfach international ausrichtet.

Der Verein "Haus der Technik" hat zurzeit etwa 1 000 Mitglieder, mit deren Mitgliedsbeiträgen die Grundsatzarbeit in der Weiterbildung unterstützt wird. Das HDT ist keine kommerzielle, sondern eine gemeinnützige Einrichtung. Zum laufenden Betrieb erhält es keine Zuschüsse, sondern trägt sich wirtschaftlich selbst. Die Veranstaltungen sind konsequenterweise gebührenpflichtig – Bildung wird im HDT auch als ein Wirtschaftsgut verstanden.

Das HDT ist einem gleichbleibend hohen Qualitätsstandard verpflichtet und hat schon früh in diesem Sinne in den Bildungsmarkt hinein gewirkt, so auch als Gründungsmitglied des heute weithin geachteten Wuppertaler Kreises, der Interessenvertretung der führenden deutschen Weiterbildungsinstitute. Es ist im Sinne der Weiterbildungsgesetze in den Sachgebieten der wissenschaftlichen, der personenbezogenen und der beruflichen Weiterbildung vom Land Nordrhein-Westfalen als Weiterbildungseinrichtung staatlich anerkannt.

Mit seinem umfangreichen, hochwertigen Veranstaltungsangebot bietet das HDT Fach- und Führungskräften aus nahezu allen technischen Fachrichtungen ausgezeichnete Möglichkeiten, vorhandenes Wissen zu vertiefen und durch aktuelle Erkenntnisse zu erweitern. Seine Referenten und Dozenten kommen aus der Praxis – von Unternehmen, Verbänden, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die Teilnehmer – selbst berufstätig – bringen zusätzlich ihre eigenen Erfahrungen ein. So ist das HDT zu einem Forum geworden, in dem sich Wissenschaft und Praxis nicht nur begegnen, sondern ständig austauschen und gegenseitig befruchten. Im Jahre 2012 feierte es sein Jubiläum: 85 Jahre HDT.

Autoren: Dr.-Ing. Gesche Pollmanns, Niederkrüchten, Ergänzungen Dr. Dr. F.D. Erbslöh, Krefeld


Reisner schaut auf sein Werk: Enthüllung des Denkmals 2011, Archiv HDT 

 
 
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