Zuviel Arbeit. Zu wenig Zeit. Das verursacht Stress. Doch all das nicht mehr zu haben, kann noch viel belastender sein – im Falle einer Entlassung. Der Verlust des Arbeitsplatzes ist eine Lebenssituation, die unter den Stressfaktoren sehr weit vorn liegt. Existenzängste stellen sich automatisch ein und das Gefühl, versagt zu haben. Und dann die Furcht, aus dem sozialen Gefüge von Familie und Freunden herauszufallen. Ein Neuanfang scheint schwer, die Lage wird oft als schwere Lebenskrise wahrgenommen. Krise – das aus dem Griechischen stammende Wort bedeutet ursprünglich eine entscheidende Wendung. Wie Hohn klingt es für Betroffene, dass ausgerechnet an diesem Wendepunkt eine Chance liegen soll. Doch im Coaching taucht bei Betroffenen nach der ersten Depression häufig auch das Gefühl der Erleichterung auf. Eigentlich habe man die Kündigung schon kommen sehen und sei am Ende immer unglücklicher und ängstlicher geworden. Der Körper habe längst rebelliert, an Schlaf sei in der Nacht nicht zu denken gewesen. Wer sich das eingesteht, hat den ersten Schritt zum Neubeginn schon getan. Nur selten hat es etwas mit mangelnden Fähigkeiten zu tun, wenn man den Anforderungen im Job nicht genügt, sondern damit, dass man nicht das tut, was man wirklich kann. Viele Chefs können ihre Mitarbeiter nicht richtig einschätzen und erkennen nicht, wenn einer am falschen Platz sitzt. Dem Entlassenen nützt diese Erkenntnis wenig. Aber er sollte die Gelegenheit nutzen, herauszufinden, was er wirklich will. Dabei ist keine komplette Umorientierung nötig. Mehr als uns bewusst ist, haben wir im Laufe unseres beruflichen Lebens Kenntnisse und Erfahrungen nicht nur erworben, sondern eine ganz spezielle Kombination dieser Stärken entwickelt. Ein „beruflicher Fingerabdruck“ sozusagen. Dazu gehört auch privat angeeignetes Know-how, das neben Weiterbildung zum Beispiel auch aus einem Hobby resultieren kann. Denn hier offenbaren sich die wahren Leidenschaften und Stärken noch viel mehr. Nicht selten herrscht im Coaching großes Staunen darüber, was man eigentlich alles anzubieten hat. Wenn es gelingt, den individuellen „Fingerabdruck“ für sich zu definieren, kann viel leichter nach dem passenden Job „gefahndet“ werden. Die Lust auf den Neustart steigt. Der Bewerber ist im wahrsten Sinne des Wortes selbstbewusster. Das ist keine Garantie für den Erfolg. Aber ein wichtiger Schritt dorthin. „Misserfolg ist lediglich eine Gelegenheit, mit neuen Ansichten noch einmal anzufangen.“ – Henry Ford
Über die Autorin: Anke Engelhard ist systemischer Coach, TV-Redakteurin, Präsentations- und Medientrainerin. Sie arbeitet für Wirtschaft, Medien und Verwaltung mit den Schwerpunkten Führung, Strategie und Kommunikation. www.engelhard-coaching.de info@engelhard-coaching.de 10.10.2011 © TM 2.0 Technische Mitteilungen – Technical Reports |