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Buchbesprechungen

Atommüll – wohin damit?

Klaus Stierstadt, Verlag Harri Deutsch, ISBN 978-3817118687, 223 Seiten, ca. 20 Euro

Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die vorherrschenden Technologien. Eine Technologie, die vollständig frei von Risiken ist, muss erst noch erfunden werden. Doch die besonderen Gefahren, die aus der Kernenergie erwachsen, können seriöser Weise von niemandem geleugnet werden. Hierzu genügt mit dem Verweis auf den bislang schwersten Unfall ein einziges Wort: Tschernobyl. Die Krux an der Kernenergie ist nun einmal die Tatsache, dass ein Unfall – insbesondere in so dicht besiedelten Regionen wie Mitteleuropa – um jeden Preis verhindert werden muss. Kaum verwunderlich ist in Anbetracht dessen die Tatsache, dass die Beurteilung der Kernenergie, wie sie sich aus Meinungsumfragen ergibt, starken Schwankungen unterliegt. Je nachdem, ob die Befragung in eine Zeit fällt, die frei von gemeldeten Störfällen ist oder nicht.

Die Verknüpfung des Themas mit dem Klimawandel, also die Einstufung der Kernenergie als so genannte „saubere Energie“, die kein CO2 freisetzt, hat die Kernenergie aber insgesamt in ein neues Licht gerückt und ist Teil der Argumentation für die jüngst verabschiedete Laufzeitverlängerung in Deutschland.

Doch selbst bei einwandfreiem Betrieb stellt die Kehrseite der zivil genutzten Kernenergie Betreiber und Gesellschaft vor große, noch weitgehend unbeantwortete Fragen. Stichwort „Atommüll – wohin damit?" Auch Klaus Stierstadt kann die titelgebende Frage nicht abschließend beantworten. Was jedoch auch gar nicht die Zielsetzung seines Buchs ist. Vielmehr liefert er einen ungemein hilfreichen Überblick über das Thema. Empfehlenswert für jeden, der sich in der eigenen Beurteilung nicht allein auf die Meinung so genannter Experten oder die Versicherungen von Politikern verlassen will.

Das Buch erläutert ebenso spannend wie für den Nichtfachmann verständlich unter anderem die physikalischen Grundprinzipien der Spaltung von Atomkernen, die technischen Prinzipien von Kernkraftwerken, die biologischen und medizinischen Strahlenwirkungen, die Arten radioaktiver Abfälle sowie die bisherigen Ansätze ihrer Lagerung und Entsorgung.

Dabei gibt es zahllose interessante Dinge zu entdecken. Wem zum Beispiel ist bewusst, dass die anfallenden Mengen radioaktiven Materials längst nicht nur aus den Brennelementen bestehen, dass im laufenden Betrieb eines Kernreaktors permanent bedeutsame Mengen Gebäudematerials durch die Strahlung des Reaktors geschädigt werden und ausgetauscht werden müssen? Und wer weiß schon, wie das Bauprinzip des Castor-Behälters aussieht oder welchen Zweck Anlagen zur Verglasung radioaktiver Abfälle haben? Auch auf eine Reihe von utopischen Entsorgungskonzepten geht Stierstadt in seinem Buch ein.

Im Schlusskapitel erläutert Stierstadt die verschiedenen Alternativen zur Kernenergie – auch vor dem Hintergrund von Klimawandel und der drohenden Versorgungsknappheit mit fossilen Energieträgern. Er geht dabei mit derselben Neutralität und Unaufgeregtheit vor, die das gesamte Buch kennzeichnen, etwa wenn er zu bedenken gibt, was ein finanzieller Einsatz in derselben Größenordnung, wie er bisher für die Entwicklung der Kernenergie betrieben wurde, für die weitere Entwicklung der Solarenergie bedeuten könnte.

Das Buch von Klaus Stierstadt hat große Beachtung verdient und man würde sich wünschen, dass es vom Politiker bis zum Castor-Gegner jedermann liest und die Einladung nutzt, sich ein umfassendes Bild des aktuellen Wissensstands zum Thema Entsorgung von radioaktiven Abfällen zu verschaffen.

Michael Graef
 

06.03.2011

© TM 2.0 Technische Mitteilungen – Technical Reports
 

 

 
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