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Buchbesprechungen

Das Ende der Nacht

Die globale Lichtverschmutzung und ihre Folgen

T. Posch, A. Freyhoff, T. Uhlmann (Hg.), WILEY-VCH, ISBN 978-3527409464, gebundene Ausgabe, 151 Seiten, ca. 30 Euro 

Wer kennt sie nicht – die Bilder unseres Planeten bei Nacht. Zusammengestellt aus zahlreichen einzelnen Satellitenaufnahmen, die das Vermögen des Menschen, die Nacht künstlich zum Tag zu machen, in seinem globalen Ausmaß zeigen. Großstädte werden wie Stecknadelköpfe erkennbar, ganze Länder sind als helle Flächen, Küstenlinien als helle Konturen sichtbar.

Während der afrikanische Kontinent, Brasiliens Regenwald, das australische Outback, Sibirien, Alaska, Kanada, Grönland sowie die Polarregionen nach wie vor größtenteils im Dunkel der Nacht versinken, sind Europa, die USA, der indische Subkontinent und der Westen Chinas weiträumig hell erleuchtet. Ein Sinnbild für unseren ungehemmt wachsenden Energiebedarf und die zu Besorgnis Anlass gebende Ausdehnung der Megastädte.

Das heutige Bild der Nacht ist der eindrucksvolle Endpunkt einer Entwicklung, die spätestens mit der Erfindung der Kohlefadenglühlampe Thomas Edisons im Jahre 1879 begann. Die aufwändige Elektrifizierung der Städte setzte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwar erst allmählich durch. Doch galt elektrische Beleuchtung zu dieser Zeit gleichermaßen als besonderer Ausdruck von Modernität, die zu einem europaweiten Wettbewerb um den Titel "Lichtstadt" führte. Lichtreklame und Schaufensterbeleuchtung taten in den 20er Jahren ein Übriges, den Zusammenhang von Licht und Fortschritt zu festigen.

Der reich bebilderte und stringent gegliederte Band informiert ebenso anschaulich über die technologische Entwicklung vom Lagerfeuer bis zur Leuchtdiode wie über die wirtschaftlichen Implikationen wie Kosten für Beleuchtung und Lichtausbeute im Wandel der Zeit.

Die Bedeutung von Licht und Dunkelheit für das Verhalten von Mensch und Tier wird ausführlich behandelt – und ebenso die Auswirkungen der künstlichen Beleuchtung für Vögel, Insekten oder gar Schildkröten. Das Buch liefert aber auch interessante Lösungsansätze für das Problem. Wem ist schon der extrem hohe Anteil des störenden Streulichts bewusst, der sich mit einfachen Mitteln deutlich verringern ließe. Oder die Frage, ob mittels spezieller Lichtfarben der störende Einfluss auf Tiere minimiert werden kann.

Besonders interessant ist auch der Ausgangspunkt der Erörterungen: Das Buch beginnt mit der Betrachtung des Phänomens Dunkelheit selbst und mit der auf den ersten Blick banal anmutenden Frage, warum die Nacht überhaupt dunkel ist. Die Beantwortung dieser Frage dürfte für viele Leser überraschende Einsichten bereithalten, führt sie doch unmittelbar zur gar nicht so trivialen Frage des Ursprungs des Universums, seiner Entwicklung und Ausdehnung.

Nachdenklich stimmt eine Feststellung, die wohl jedem Hobbyastronomen bestens bekannt ist: Die Beobachtungsmöglichkeiten des Sternenhimmels schwinden angesichts der Helligkeit unserer Städte zunehmend. Die grundlegenden Erkenntnisse der frühen Astronomie wären unter den heutigen Bedingungen so gesehen kaum mehr möglich.

Michael Graef
 

12.08.2010

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